HEIMAT- UND BERGBAUMUSEUM ERBENDORF

SONDERAUSSTELLUNG

FLUCHT UND VERTREIBUNG

„Flucht und Vertreibung.“ Diesem Thema widmet das Heimat- und Bergbaumuseum derzeit die neue Sonderausstellung. Sie zeigt einen kleinen Ausschnitt aus der Zeit des Kriegsendes und der Nachkriegsjahren in der Stadt Erbendorf. Unter anderem auch mit Geschichten der Flucht. „Es ist ein überaus großes Thema, das wir in unserer neuen Sonderausstellung nur ansatzweise darstellen möchten“, stellte Museumsleiter Manfred Klöble gleich zu Beginn fest. „Denn über die vorhandenen Dokumente könnte man Bände schreiben.“ So beschränkt sich die Sonderausstellung auf die Erbendorfer Geschichte nur auf bestimmte Themenbereiche. Angeschnitten werden die Evakuierten aus zerbombten Großstädten, die Flüchtlinge, die in die Steinwaldstadt kommen und auch die Staatenlosen oder Ausländer, die während des Krieges als Gefangene hier waren und nach dem Krieg hier gestrandet sind. „Die Liste der Nationalitäten ist lang“, bestätigte Klöble. So wurden im Mai 1946 knapp 120 Ausländer gezählt, deren Versorgung die UNRRA (United Nations Relief and Rehabilitation Administration), die Nothilfe- und Wiederaufbauverwaltung der Vereinten Nationen, übernahm. Flüchtlinge und Heimatvertriebene aus den Ostdeutschen Gebieten und vor allem aus dem Sudetenland mussten hier ernährt und einquartiert werden. Nach einer Aufstellung von 1949 waren in Erbendorf neben den gut 2300 Einwohnern zusätzlich etwas über 700 Flüchtlinge, Evakuierte und Ausländer ansässig. Die Integration der vielen „Neubürger“ ist aber gelungen. Den Geflüchteten und Heimatvertriebenen ist auch die wirtschaftliche Entwicklung in den Folgejahren zu verdanken. In der Sonderausstellung sind viele Belege einsehbar, wie die Flüchtlinge anfänglich mit den nötigsten versorgt wurden. Da gab es Bezugskarten für Schuhe, Kleidung, selbst für Holzstühle und Holztische. Von der örtlichen Porzellanfabrik wurden die Neuankömmlinge sogar mit Geschirr eingedeckt. Stolz ist Museumsleiter Klöble darüber, in der Ausstellung auch handschriftliche Aufzeichnungen über die Flucht aus dem Sudetenland oder Schlesien zu haben. „Eine Besonderheit unserer Ausstellung ist ein großer Sack mit dem Namen Franz Sulzer“, so Klöble. „In ihm befanden sich die ganzen Habseligkeiten, die die Familie Sulzer bei ihrer Vertreibung mit nach Bayern nehmen durfte.“ Neben solchen wertvollen Exponaten, Dokumenten und Bildern runden ergänzende Infotafeln die Sonderausstellung ab. Geöffnet ist diese Sonderausstellung ab Sonntag, 11. Februar 2018 von 14 bis 16 Uhr.